arbeiten. Damals war das Schwefeln von Hopfen wegen der Feuersgefahr polizeilich verboten, doch mein Vater betrieb es, aber nur heimlich in Kistchen und Körben, worin 10‐20 Pfund waren‟.
Franz Tuchmann fügt ein, daß er Berichten seines Vater und alter Hopfenhändler zufolge glaube, daß Marx Tuchmann der Erfinder des Hopfenschwefelns sei.
Moritz Tuchmann fährt fort; „Auch in Bauten war er sehr erfahren und unter seiner Leitung wurde 1816 die großartige Synagoge in Ühlfeld erbaut, die ein Muster von Technik war, die aber im Jahre 1888 mit sämtlichen BÜchern und einem großen Teil des Dorfes, darunter auch mein ehemaliges Haus, niederbrannte. Von seiner Intelligenz und seinem Vorwärtsstreben und seinem Sinn für alles Neue kann man sich einen Begriff machen, indem er erst in seinem 40. Jahr Unterricht im deutschen Schreiben nahm und großes Interesse für Zeitungen und sonstige deutsche Schriften hatte. In religiöser Beziehung war er sehr freisinnig und brachte es dahin, daß nach dem Tode des jüdischen Vorgängers ein solcher engagiert wurde, der musikalisch war, was auch in soferne gelang, daß der neuangestellte Lehrer Frankenburger, der zugleich als Vorsänger fungierte, die jüdischen Gesänge nach Noten vortrug. Dabei versäumte mein Vater nichts im Geschäft oder im Hause, war ungemein pünktlich, ja sogar ängstlich im Zahlen bei erhaltenem Kredit und veranlaßte meine 2 Brüder, daß sie das Ausland zur Gewinnung von Hopfenkundschaft besuchten, wodurch er einer der bedeutendsten Hopfenhändler der Umgebung wurde. In der Umgegend war er unter dem Namen „Roter Mordochai‟ bekannt, da er helles, ins rötliche schimmerndes Haar hatte und mehr eine christliche als jüdische Physionomie hatte. Sowohl Ortsbewohner als Auswärtige, ohne Unterschied der Confession, erholten sich Rat bei ihm, da er besonders in Gemeindeangelegenheiten oder Anlagen im Felde und Neubauten sehr praktisch war und es kam manchmal vor, daß er ohne Anspruch auf Vergütung stundenweite Gänge machte, um zu raten, weil es ihm doch schmeichelte, daß man ihn darum ansprach. Dabei vergaß er oft an sich selbst, wie es bei derartigen Leuten eben geht, machte sich viele Feinde, erntete Undank und dadurch war er stets gereizt. Wie oft warte ihn meine kluge Mutter vor solcher Gefälligkeit und wie oft hatte sie recht, allein da war alles vergebens, denn es war sein Naturell, immer etwas zu schaffen, denn Nichtstun haßte er. Mein Vater war sehr hitziger, streitbarer Natur, was jeder, der dessen Bild besitzt, sofort erkennen wird‐ Aber auch dessen Klugheit zeigt sich in seinen scharfblickenden Augen‐ In seiner Haltung war er kerzengerade, in seiner Kleidung höchst einfach: grünlederne Hosen mit langen Stiefeln und wenn er aufs Feld ging, hatte er meistens eine sogenante Ackerhaue oder Schaufel auf der Achsel und eine blaue Schürze um den Leib, wie ein echter Landmann besserer Klasse. Nun habe ich diesen merkwürdigen Mann zur Genüge geschildert und schließe mit dem Nachsatze, daß er 1850 im Alter von 76‐77 Jahren sein Leben am Herzschlag beschloß‟. ‐
Nun sein Testament::
Markt Ühlfeld, den II. September 1849.
Zu Gemäsheit des heute Vormittags gefaßten Beschluß begab sich die nebengenannte Land‐kommission hierher in die Behausung des Handelsmannes Tuchmann, um dessen letzten Willen zu Protokoll zu nehmen. Man traf denselben in dem unteren Wohnzimmer seines Hauses angekleidet in der Stube auf und ab gehend an und ist er dem Gerichtskommissario von Person recht wohl bekannt‐ Aus einer mit ihm gepflogenen Unterredung Überzeugte man sich, daß er sich bei vollkommenen Gebrauch der Vernunft befinde und bestätigt derselbe auf Befragen, daß er sein Testament vor dem Richter zu Protokoll geben wolle, daher den Melbermeister Kalman Rosenfeld von hier zur Herbeiholung einer Gerichtskommission beauftragt habe. Zur Sache selbst läßt sich der Testator Marx Tuchmann wie folgt vernehmen: Ich lebe in 2. Ehe mit Miriam Tuchmann, geb, Engelmann. Meine erste Ehefrau Rösel, eine Schwester des Löw Sachs, dahier, ist kaum nach einjähriger Verheiratung kinderlos verstorben. Mit meiner 2. Ehefrau habe ich 10 Kinder gezeugt, wovon 2 schon in der fruühesten Kindheit gestorben sind. Nach reiflicher Erwägung aller Verhältnisse verordne ich nun fÜr meinen Todesfall folgendes: Außer meiner Frau Miriam Tuchmann sind in meiner einstigen Nachlaßsache meine nachbenannten Kinder und resp. Enkel beteiligt:
- a) Salomon Tuchmann, dermalen in Fürth domizilierend, verehelichter Kaufmann
- b) Feist Tuchmann, Weißgerber in Dessau
- c) Gella, verehelicht an den Löw Hopf, dahier
- d) Elisa, verehelicht an den Kaufmann Winkler in Schnaittach, Landg. Lauf
- e) Jetta, verehelicht mit dem Kaufmann Reitzenberger in Burgkundstadt
- f) Marum Tuchmann, Kaufmann, dahier
- g) Elisa, verehelicht gewesene S. Iglauer in Burgkundstadt, welche mit Hinterlassung von 3 Kindern verstorben ist
