Marx Tuchmann  

bearbeitet nach der Chronik des Herrn Moritz Tuchmann (T VIII)
(geschrieben 1895).

Moritz Tuchmann schreibt: „Ich beginne mit meiner Großmutter mütterlicherseits, genannt Babette oder Tante Heindel ‐ die im hohen Alter von 96 Jahren gestorben und noch im 90. Jahre rüstig gewesen sein soll (gestorben den 6. Mai 1838). Ich erinnere mich weder ihrer noch ihres Mannes Josef Marum Engelmann (gestorben im Jahre 1823). Diese meine Großmutter soll eine tüchtige energische Handelsfrau gewesen sein ‐ wie mir meine Mutter öfters erzählte ‐ sowie überhaupt in jener Zeit die Frauen in Floss sich fast ebensoviel, wenn nicht mehr, dem Handel widmeten, als ihre Männer und ich weiß noch recht gut, daß diese Frauen wochenlange mit ihrem mit einer Plane bedeckten Wagen auf Reisen zur Handelschaft nach Böhmen gingen. ‐

Auf meine selige Mutter komme ich später zurück, da ich vor allem meines Vaters, des Stamm­halters der Familie Tuchmann, erwähnen möchte. Derselbe nannte sich vor Einführung der deutschen Namen für Juden (1813) Mordochai Josef Levi und nach der genannten Umänderung unterschrieb er sich Marx Tuchmann".

Franz Tuchmann (T IV C) erzählt hier folgendes: Als mein Großvater damals von dem Land‐richter in Neustadt ⁄ Aisch gefragt wurde, welchen deutschen Namen er annehmen wolle, war derselbe sehr darauf bedacht, einen möglichst kurzen Namen zu erhalten und schlug in Anbetracht dessen, daß er mit Hopfen handelte, den Namen Hopf vor, der ihm jedoch verweigert wurde, weil kurz vorher ein Anderer (Simon Hopf) diesen Namen bereits angenommen hatte. Da mein Großvater auch mit Höpfen- tuch handelte, kam er auf die Idee, den Namen „Tuchmann‟ anzunehmen.

„Nach seiner Aussage war er in Baiersdorf geboren, kannte aber seine Eltern nicht und wurde als kleiner Knabe nach Ühlfeld gebracht, wo sich eine Frau (verwandt oder nicht) seiner annahm und ihn erzog‟.

Hier sei ein Brief des Ühlfelder Lehrers Wormser vom 15. März 1891 beigefügt: Witwe Babette Rindsberg sagte mir aufs bestimmteste; Ihr verstorbener Schwager, der Glaser Mosche Rindsberg, hat es ihr oft erzählt, denn er war der Schwager des Metzgers Isak Kohn, zu diesem war seine Frau Schenla die Schwester: dieser Schenla und Isak Kohns Vater war der Cheskel und Cheskels Vater hat als Witwer die Mutter des sel. Marx Tuchmann, welche in Baiersdorf auch Witwe war, geheiratet und wirklich ist dieser Marx Tuchmann in einem Tragkorb (Kenze) hierher getragen worden. ‐ Sonach war der Marx Tuchmann sel. der Stiefbruder zum alten Cheskel Kohn. Marx Tuchmann soll vor dem Hopfenhandel mit Hopfentuch, auch mit Kurzwaren und mit altem Eisen, Zinn etc. gehandelt haben. Wie den Cheskel sein Vater, also Marx Tuchmanns Stiefvater mit Vornamen geheißen, weiß man nicht . . . ‐ Die Pflegemutter des kleinen Marx war also seine Mutter, die ihn selbst von Baiersdorf nach ühlfeld gebracht hat und die sich dort nochmals verheiratete.

Moritz Tuchmann fährt fort: „Von meines Vaters Jugendjahren kann ich fast garnichts erzählen, das weiß ich. aber, daß er es durch Fleiß und Sparsamkeit vorwärts brachte und später seine Mutter sowie manchen armen Verwandten mit seinen Ersparnissen unterstützte. Nach meiner Ansicht war er der Gründer des Tuchmann'schen Hopfengeschäfts. Seine erste Beschäftigung war Hausieren mit Schnitt‐waren und noch vor einigen Jahren war ich im Besitze des Tragkorbes, den er auf dem Rücken trug. Durch Verbindung mit jüdischen Handelsleuten in Floß b. Weiden lernte er auch Miriam Engelmann kennen; darnach besuchte er öfters jene Gegenden und auf diesem Wege kam er gewöhnlich durch Hersbruck und Hohenstadt, wo er Bekanntschaft mit böhmischen Hopfenhändlern machte, die damals zum Einkauf dorthin kamen. Sofort ergriff er diese Branche und lieferte lange Jahre größere Partien Hopfen nach Hersbruck, wodurch er im Stande war. das Hausiergeschäft aufzugeben und sich dem Hopfenhandel zu widmen. Dadurch brachte er es zu einem für die damalige Zeit ansehnlichen Vermögen, baute ein großes Haus mit Scheunen zum Auflagern von Hopfen und kaufte fortwährend Aecker. Wiesen und Waldungen und betrieb im Sommer Oekonomie mit großem Viehstand. Indessen war der Ertrag dieser ländlichen Beschäftigung fast verschwindend, allein mein Vater hatte sich einmal in diese Idee versessen daß alles Protestieren seitens meiner Mutter vergebens war. Das war ein Gewühl und Treiben mit Dienstboten, Knechten und Mägden und selbst wir sämtlichen Geschwister müßten auf dem Felde mit‐