erwiesen ist: Eines Tages hatte Marianne in der Küche eine Maus gefangen. Sie faßte dieselbe am Schwänze und wollte sie der in die Küche eintretenden Ida ins Gesicht schleudern. Von da ab war Ida lange Zeit nicht mehr zu bewegen, bei ihrer Großmutter etwas zu genießen und erbat sich lieber Speisen von den Nachbarn, um ihren Hunger zu stillen. ‐ Nach dem Tode ihrer Großmutter Tuchmann kam Ida zu ihrer weiteren Ausbildung nach Nürnberg in das Haus ihrer Tante Karoline Hopf, wo sie sich bis zu ihrer Verheiratung aufhielt. Sie fand in Karoline Hopf eine wirkliche Mutter, die sie in inniger Dankbarkeit überaus verehrte und später ihren Kindern gegenüber nicht genug preisen konnte. ‐ Im Jahre 1865 verheiratete sich Ida mit Wolf Oettinger aus Sulzbürg, der, kurz vor seiner Verehelichung, von dort nach dem 5 Stunden entfernten Neumarkt (in der Oberpfalz) übergesiedelt war. Vermutlich hat diese hervorragend kluge und feinsinnige Frau bei ihrem Gatten nicht die volle Anerkennung gefunden, die sie bei ihrer eigenen vornehmen Gesinnung erwartet hatte. Wolf Oettinger war ein eminent fleißiger und tüchtiger Geschäftsmann, der sich alle kaufmännischen Kenntnisse durch eigne Kraft erworben hatte, da er nur die Volksschulbildung in Sulzbürg genossen hafte. Voll und ganz mit dem Geschäft, das unter der Firma Marx Oettinger & Söhne, Manufakturwaren und Bankgeschäft, in Neumarkt betrieben wurde, verwachsen, wurde er stets als der gebildeste unter seinen Geschwistern und insbesondere unter den mit ihm das Geschäft führenden Brüdern geachtet und von den Kunden besonders geschätzt. Im Laufe der Zeit kam das Geschäft auch zu hoher Blüte und seine Familie zu großem Wohlstand. ‐ Die Erziehung im reichen Hause Hopf stand natürlich anfangs in schroffem Gegensatz zu den Verhältnissen, die Ida bei ihrer Verheiratung vorfand. Beispielsweise bestand die derzeitige Wohnungseinrichtung aus zwei Zimmern‐ Das Glanzstück unter den Möbeln bildete eine Kommode, die der Schwiegervater Marx Oettinger dem jungen Paar leihweise überlassen hatte und wieder abholte, als die Hochzeitsgäsfe fort waren. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die junge Frau, die ganz andere Verhältnisse erträumt hatte, sich schwer in die neue Lage fand und ihrem Herzen durch einen Klagebrief an ihre Eltern Luft machte, in dem sie dringend bat, man möge sie doch wieder abholen. Dieser Brief, der aus Versehen dem jungen Ehemann in die Hand fiel, wurde von diesem mit dem Nachsatze versehen: „Ida hat ganz recht mit dem, was sie schreibt. Sie kann es hier nicht aushalten. Holt sie ab und, wenn Ihr sie erzogen habt, bringt sie wieder!‟ ‐ Ob dieser Brief die Adressaten erreicht hat ist nicht bekannt. Jedenfalls wurden die verschiedenen Differenzen allmählich überbrückt. ‐ Aus der Ehe des Wolf und der Ida Oettinger gingen 12 Kinder hervor. Die ersten zwei starben innerhalb einer Woche von einer Epidemie dahingerafft und wurden in Sulzbürg beerdigt Ida soll nach diesem schweren Schicksalsschlag lange Zeit krank darniedergelegen sein. ‐ Das jüngste Kind, Karl, starb im Jahre 1896 an Blinddarmentzündung. Unmittelbar nach dem Tode dieses, ihres Lieblingskindes, find auch Ida zu kränkeln an. Sie siedelte im Jahre 1899 nach Nürnberg über und starb am 11. Dezember 1901 an einem Schlaganfall eines plötzlichen und schmerzlosen Todes, wie ihn sich wohl die bescheidene Frau stets gewünscht hatte, um nicht durch ein langes Krankenlager anderen zur Last fallen zu müssen‐‟ ‐

Nun noch einige Worte über das Leben von Frau Marie Bamberger, die ich nach Angaben des Herrn Fritz Bamberger zusammengestellt habe.

Ueber Maries, der jüngsten Tochter von Simon und Elkel Iglauer, Jugendjahre kann ich nichts berichten; nur das weiß ich, daß sie, gleich ihrer Schwester Ida, und um dieselbe Zeit wie diese, nach Nürnberg zu ihrer Tante Karoline Hopf kam, „um sich den feineren Schliff der Großstadt anzueignen‟, Im Jahre 1869 verheirate Marie sich mit Max Bamberger aus Friesen bei Kronach, Dieser war ein Sohn des David Bamberger, der in Friesen ein Manufakturwarengeschäft betrieb. Im Jahre 1871 übersiedelte die Familie nach Kronach; auch das Geschäft wurde dorthin verlegt und nach dem Tode des David Bamberger von dessen Söhnen unter der Firma S. & M. Bamberger weiter geführt. ‐ Ueber das Leben, das Marie in Friesen und Kronach führte, weiß ich nichts zu berichten. Im Laufe der Jahre kamen 9 Kinder zur Welt, die nun in alle Winde verstreut, sicher stets mit Freuden der Jahre gedenken, die sie im Elternhaus verbrachten. Sie mögen die Erinnerungen, die an ihre Mutter knüpfen hier verewigen. Mir war es leider nicht möglich über Frau Marie Bamberger mehr zu erfahren. ‐ ‐