Jette Reitzenberger  

bearbeitet nach der Chronik des Herrn Moritz Tuchmann und
nach den Angaben von Frau 1Sanitätsrat Berta Hollerbusch.

Moritz Tuchmann schreibt: „Schwester Jette heirate den Witwer Hajum Reitzenberger in Burgkundstadt, einen tüchtigen, überall beliebten Geschäftsmann, der Viehimport aus Sachsen und Preußen nach Bayern betrieb, der aber dieses Geschäft später niederlegte und auf Anraten seiner Frau und meines Vaters Hopfenhändler wurde und später nach Bamberg übersiedelte, wo seine ungemein fleißige Frau wegen ihrer großen Sparsamkeit und Genauigkeit sprichwörtlich bekannt wurde. Diese Ehe war eine vortreffliche und ihr Sohn Simon, den sie als Kind erster Ehe erheiratete, fühlte nie, daß sie nicht seine natürliche Mutter war und verehrte sie in großer Liebe und Hochachtung‟.

Frau Sanitätsrat Hollerbusch schreibt: „Hajum Reitzenberger war zuerst Leinenweber in Burgkundstadt und zog 1852 nach Bamberg. Er bereiste später mit dem Handwagen die 2Hofer Gegend. Das Geschäft des Chajim Reitzenberger führten dessen Söhne Simon und Berthold weiter. Ersterer starb vor seiner Mutter (28. September 1885). Seine Mutter konnte sich über seinen Tod nie hinweg‐ setzen. Simon und seine Frau Helene geb. Rosenblüth hatten 4 Kinder, die beiden älteren Söhne Emil und Oskar führten mit meinem Vater Berthold das Geschäft in schönster Harmonie bis zu dessen Wegzug von Bamberg 1904 weiter. Meine Elfern zogen dann nach Nürnberg, um näher bei ihren Kindern zu sein, doch starb mein Vater einige Monate nach seiner Übersiedlung. Berthold Reitzenberger war ein sehr kluger Mann, dessen sehnlichster Wunsch es in seiner Jugend gewesen war, studieren zu dürfen, aber die Mittel reichten dazu nicht aus. Er war allgemein beliebt, auch bei seinen christlichen Mitbürgern. Ich habe einen dicken Band selbstverfaßter Gedichte von ihm.‟ ‐ ‐

Es war mir leider nicht möglich, mehr über die Familie Reitzenberger in Erfahrung zu bringen, ich füge deshalb einige Briefe bei:

Burgkundstadt, den 30. III.(Wahrscheinlich im Jahre 1849).

Teuerste Eltern!

Ich habe heute früh Eueren Brief erhalten und da ich gerade Gelegenheit habe, will ich sogleich beantworten. Ich befinde mich mit meiner ganzen Meschpuche wohl, besonders Euer Gevatterle ist seit einige Tage wieder wohl auf und ich hoffe, er wird Euern Gevatterleut zulieb gesund heranwachsen. Daß Ihr hier zufrieden gewesen seid, freuet mich in doppelter Beziehung, nur wenn es länger gedauert hätte und ich habe es sehr bedauert, daß ich Euch Montag, da Feiertag in Bamberg war, fortgelassen habe.

Nun, die Eisenbahn geht immer fort und der Sommer geht erst an, sodaß ich gewiss hoffe, be‐ sonders den lieben Vater, der öfters nach Bamberg kommt, bald hierher zu sehen. Daß Du, liebe Mutter, nun auf Pesach notwendig hast, glaube ich. Bei mir gehts halt dieses Jahr anders, obzwar meine Magd nichts wie fegt und K—sch—ss macht daß man darüber lachen muß. Ich geh um kein Preis aus der Stube, weil gar zu furchtsam bin und lieber was krumm sein kann. Von unserem Schlome habe ein zärtlichen Brief erhalten; er erwartet Dich liebe Mutter; kannst Dich darnach richten und bald wieder einen Spaziergang machen‐ Nun weiß für heute nicht nichts mehr. Ich grüß Bruder Moritz nebst Frau und bin mit dem Wunsche, wohl zu leben Eure Tochter.

Eure Tochter

Jette.  

Folgendes Gedicht von Jette Reitzenberger, 1885 ungefähr verfaßt, an ihre Schwiegertochter Mary gerichtet, ist erhalten:

Nimm diese Arbeit gerne hin,
So gerne ich sie gegeben
Bewahre Deinen treuen Sinn,
Auch Dein gemüthliches Leben.
Bleib mit den Deinen gesund hienieden
Dann bin ich mit meinem Loos zufrieden.