1859 siedelte Maier nach Ulm über, erwarb dort die Malzfabrik zum „Pfleghof“ (Vorbesitzerin Witwe Eberhard Bühler) und gliederte dieselbe seiner Hopfenhandlung an. Er verheiratete sich nun mit der schönen Sofie Eckstein, dem Nachbarskind aus Schnaittach, der seine tiefe Neigung gehörte und führte die Siebzehnjährige in sein Haus. Maier war ein überragend fähiger Kaufmann, von kühnem Unternehmungsgeist beseelt, organisatorisch begabt. Durch sein solides Arbeiten genoß er bei der Kund- schaft großes Vertrauen und erfreute sich allgemeiner Beliebtheit. In den sechziger Jahren führte er das ungarische Gerstenimportgeschäft ein und vergrößerte den Betrieb im Pfleghof immer mehr. An einem Märzabend machte das Schicksal allen seinen Zukunftsplänen ein jähes Ende. Maier erlitt einen Schlag‐ anfall, dem er nach wenigen Stunden erlag. Er starb 49 Jahre alt, viel zu früh für die Seinen. Es war ein unersetzlicher Verlust für die Firma. Er hinterließ eine tiefgebeugte Witwe und fünf Waisen, deren Jüngstes, ein Mädchen, gerade sechs Wochen alt war. Uber den Pfleghof, der bisher eine Stätte hohen Glückes war, hatten sich tiefe Schatten gelegt, die nicht mehr weichen wollten. Sofie Winkler blieb mit ihren Kindern im Pfleghof wohnen. 1892, nach dem Tode ihres ältesten Sohnes, übersiedelte sie mit der jüngsten Tochter nach Regensburg und starb dort am 5. Oktober 1894.

Julie Winkler, geboren am 28. Februar 1851 war die älteste Tochter des Davids und der Ele- Sie war ein kluges, feines und tüchtiges Mädchen, das der Mutter im Haushalt und in der Betreuung der jüngeren Geschwister eine große Stütze war. Sie verheiratete sich 1849 mit Mayer Rosenbaum nach New‐York, der 1853 auf hoher See starb und einen Sohn hinterließ. Julie vermählte sich 1854‐ zum zweitenmale und zwar mit ihrem Vetter Simon Davidsohn aus Schnaittach nach New‐York. Dieser Ehe entsprossen 7 Kinder, Julie starb am 21. Juli 1878 in New‐York.

Simon Davidsohn war ein großzügiger Kaufmann der seine Familie zu hohem Ansehen und großem Reichtum brachte. Nach dem Tode seiner Frau kam er noch öfters nach Deutschland, suchte die Verwandten auf, denen er stets anhänglich blieb. Er starb am 9. Januar 1893 in New‐York.

Moritz Winkler, am 12. Februar 1836 in Schnaittach geboren, besuchte ebenfalls die dortige Volksschule und dann die Handelsschule in Bamberg. Im August 1850 wanderte der Vierzehnjährige nach Amerika aus. In seinem Abschiedsbrief an den Onkel Salomon Tuchmann in Fürth schreibt er:

Schnaittach, 29. Juli 1850 ‐

Lieber Onkel und liebe Tante!

Wegen meiner so schnellen Abreise nach Amerika ist es mir nicht vergönnt, Ihnen mündlich ein Lebewohl zu sagen und ich erfülle ungern schriftlich diese Pflicht. Besonders leid thut es mir, nicht vorher das Vergnügen gehabt zu haben, mit Ernst und Maro bekannt zu werden.

Sie nebst den lieben Ihrigen nochmals grüßend, verbleibe

Ihr treuer Neffe

Moritz Winkler.

Und seine Mutter Ele, die an des Sohnes Brief anschrieb, klagt dem Bruder und der Schwägerin : „Mir ist schon recht wehe auf meinen Moritzen seine Abreise, welche den 6. August von hier aus über Erlangen gehet.‟

Moritz hat drüben alle Wechselfälle des amerikanischen Lebens mitgemacht. Er wohnte bei seiner Schwester Julie Davidsohn, ging dort in New‐York wie die meisten jungen Deutschen, um die englische Sprache zu erlernen, in die Schule und in die Lehre, wandt sich später nach Kalifornien, dem Goldgräbergebief. Er erhielt dort einen sogenannten Store, baute mit andern Auswanderern in Williamscreek eine Straße und wie das Werk vollendet war und er ein schönes Häufchen Geld beisammen hatte, trieb ihn das Goldfieber in eine andere Gegend. Leider blieb ihm das Glück dort nicht freu und sein Geld und seine Träume zerrannen. Nach vielen Irrfahrten kam Moritz nach neunzehnjähriger Abwesenheit im Jahre 1869 mit 20000 Gulden von Amerika zurück, um seine Eltern und Geschwister zu besuchen. Er verbrachte seine Zeit teils bei den Eltern in Nürnberg, teils bei dem Bruder in Ulm, wollte später nach Amerika zurück. Auf Veranlassung seines Bruders Maier, dessen Geschäft sich indessen wesentlich vergrößert hatte, entschloß sich Moritz ganz in Deutschland zu bleiben und tat sich mit Maier zusammen. Er war ein sehr vornehmer Kaufmann mit großem Verantwortungsgefühl, unermüdlich tätig, bei der Kundschaft beliebt. Auf seinen häufigen Reisen nach Italien und Oesterreich‐Ungarn erweiterte er das Auslandsgeschäft und seinn allgemeinen Kenntnisse. Er beherrschte die englische, französische und italienische Sprache vollkommen und konnte sich in spanisch und ungarisch gut verständigen. Sein Wissen auf dem Gebiete der Geschich te und Literatur war umfassend. Er war im Gegensatz zu seinem Bruder Maier eine stille, in sich gekehrte Natur, der gütigste, selbstloseste Mensch, der edelste Charakter, Er hätte wohl als Gelehrter eine größere Sendung erfüllt. ‐ Bald nach seiner Heimkehr bewarb er sich um Sofiens Schwester, die anmutige Mathilde Eckstein, die dem viel älteren Manne nach einigem Zögern die Hand reichte. Sie hat es nie bereut, er hat sie zeitlebens auf Händen getragen. Sie war klug und