Ele Winkler

Zusammengestellt von Frau Ida Stahl, Neustadt ⁄ Aisch, mit einem Nachtrag nach den Angaben des Herrn Benno Salmonsen versehen von Fritz Tuchmann.
Frau Stahl schreibt: Ele Winkler war am 26. Mai 1806 als Tochter des Marx und der Miriam Tuchmann in ühlfeld geboren. Sie verheiratete sich mit David Winkler aus Schnaittach, dem sie im Laufe der Jahre 7 Kinder schenkte, die sie mit Liebe und Sorgfalt erzog. Ele war eine schöne statt‐liche Frau, energisch und lebensklug, von echter Herzensgute, mit viel Sinn für Humor, der ihr bis ans Ende ihrer Tage treu blieb. Trotz des großen Haushaltes unterstützte sie ihren Mann eifrig im Geschäft, besorgte sogar gelegentlich selbst den Hopfeneinkauf in den umliegenden Ortschaften. In ihrer schlichten, aufrechten Art, mit ihrer Intelligenz, die über dem Durchschnitt stand, war sie eine Persönlichkeit. Den Geschwistern war sie sehr anhänglich, freute sich, wenn sie ihnen gefällig sein konnte; davon erzählt folgender in hebräischer Schrift abgefaßter Brief:
14 ten April 1848:
Lieber Bruder und Schwägerin !
Den Augenblick bringt mir der Rotschild Dein Brief und ich beeile mich Deine werthe Aufträge zu besorgen, woraus mir meine Ehre mache. Ihr erhalt also ein Kästchen worin 49 Stück Eier, welche 52 Kreuzer kosten; das was drüber ist, gehört Master Ernst. Bin aber weis Gott broches, daß mir keine Kinder schickt. Meine Kinder haben sich schon so sehr darauf gefreuet. Das Kraut laßt Euch gut schmecken. Hat es eine brave koschere Judenfrau eingemacht (nähmlich ich). Kann ich Euch sonst mit etwas dienen. Das Kästchen steht in der Schwane. Könnt es abholen lassen. Von meinen Besuch wird Ihr, sobald meine Garderobe besser in Stand ist, um in Fürth auftreten zu können, die Ehre haben; denn ich bin nur für den Winter eingerichtet und nicht für das Frühjahr. Sonst wäre schon zu Euch kommen. Ich wünsche, daß Ihr Euch alle recht wohl befinden werdet, wir sind es gottlob auch. Schicht mir ja bald Eure Kinder und lebt recht wohl, hall gute Feiertage, wie es wünscht Eure treue Schwester und Schwägerin.
Ele.
Vielleicht kommt Ihr Pesach raus.
Meine Leute lassen alle grüßen.
Sie war die erste jüdische Frau in Schnaittach, die keinen Scheitel mehr trug, was in der Synagoge von der Kanzel aus als warnendes Beispiel verkündigt wurde. Sie hatte Interessen für die Fragen der Zeit und war sehr belesen. In ihrer Ehe war sie die Führende und ihrem Gatten geistig überlegen. Ele starb am 15. September 1877 in Nürnberg.
David Winkler, Eles Mann, war am 28. Dezember 1795 in Schnaittach geboren. Sein Vater hatte noch zwei Brüder, die sich wie alle Juden zu jener Zeit einen deutschen Namen geben mußten. Der eine nannte sich Davidsohn (Davids Sohn) der Andere Beck. Der Dritte konnte keinen passenden Namen finden und klagte seine Not dem Wirt Winkler in Rollhofen bei Schnaittach, wo er seine Auflage und sein Gäu hatte. Dieser klopfte ihm auf die Schulter und sagte:
„Weißt Du was David, ich will Dein Pate sein, heiße Dich einfach David Winkler‟. ‐ Dessen Sohn David, Eles Mann, trieb Hopfenhandel und gründete sein Hopfengeschäft um das Jahr 1825. Er hafte eine Schwester in Hohenems in Voralberg verheiratet, besuchte die kleinen Brauereien in Voralberg mit seinem Einspännerwägele und ging von da aus auf Kundensuche in die Schweiz, wo er auch Absatz für Hopfen fand. Ums Jahr 1855 übersiedelte er mit seiner Familie nach Nürnberg, wo er ein Haus in der Breite-Gasse erwarb und dort außer dem Hopfenhandel noch ein Hopfenfuchgeschäft betrieb. Er starb am 4. Januar 1870 in Nürnberg.
Ihr ältester Sohn Maier Winkler war am 31. Dezember 1829 in Schnaittach geboren. Er besuchte nach einer Volksschulausbildung die Wolfrum'sche Handelsschule in Bamberg und kam dann als Volontär zu der Speditionsfirma G. C. Mais in Mailand und kehrte nach geraumer Zeit nach Schnaittach zurück. Hier suchte er die in der Fremde erworbenen Kenntnisse praktisch zu verwerten und baute das väterliche Geschäft weiter aus. Mif der Mailänder Firma blieb er lange Jahre in enger geschäftlicher Verbindung Er zog später mit seinen Eltern und Geschwistern nach Nürnberg.
