Gella Hopf

bearbeitet nach der Chronik des Moritz Tuchmann und nach den
Ausführungen von Frau Kommerzienrat Elise Hopf.
Moritz Tuchmann schreibt :
„Gella war mit Löb Hopf in Ühlfeld verheiratet, derselbe war angenommener Sohn des Simon Hopf (genannt Bockshimmel) und dessen Compagnon; kam durch diesen um sein Vermögen, sodaß, meine Schwester zur Ernährung ihrer Familie Watte für Schneider verfertigte, wodurch sie täglich einige Kreuzer verdiente. Sie hatte sogar eine Garküche mit 2 aufliegenden Zeitungen, wo höchstens 4‐5 Personen pro Tag verkehrten. Das war ein Verdienst! Indessen erholte sich ihr Mann später unter der Firma „Hopf & Rosenfeld‟ und erreichte durch Unterstützung der Söhne, daß sein Hopfengeschäft eines der größten in Nürnberg wurde. Bei dem großen Reichtum, den er hinterließ, lebte Gella in größtem Behagen ‐, allseitig beliebt und starb im Jahre 1880 im Alter von 77 Jahren.‟ ‐
Folgender Brief dieser tüchtigen und klugen Frau sei hier angeführt; er ist ungefähr im Jahre 1851 an ihren Bruder Salomon T. geschrieben:
Liebe Schwägerin und Bruder!
Ich war arg erfreuet durch Hellmann zu erfahren, daß Du, liebe Jette, Dich wieder vollkommen wohl befindest. Nehme Dich nur recht in Acht und glaube nicht, daß, wenn man einmal so viel Kinder gehabt, man seiner Natur so trotzen kann. Umsonst wäre ich nicht so geduldig und auf meiner Gesundheit bedacht; ich weiß es jetzt, wie jede Aufregung, ja fast ein laut gesprochenes Wort, unser ganzes Wesen angreift. Warte nicht, liebe Schwägerin, bis die Erfahrung durch offenen Schaden gemacht, sondern glaube mir und denke, wie oft ich Dir meine Reue hierüber gestanden. Du bist ja selbständig und siehest auch, was nützet Deinem Mann und Kindern, wenn Du auf der Totenbahre bist. Es bleibt für den schwachen Leib nur der stete Verdruß, der aus dem Unbehaglichen des Nichtwohlbefindens entspringt übrig. Daß ich bedacht darauf bin, daß Du Dir Gutes tust, wirst aus Beifolgendem ersehen, mache Dir recht fette Schalefer, daß Dir das Schmalz die Bachen runterläuft; siehest Du gewiß gleich fett aus. Ich sende Dir nehmlich 3 Pfund Schmalz a 16 Kreuzer. Ich habe die Grieben gerne miteingegossen; kannst Kartoffeln damit rösten: darfst das Schmalz nur zerlaufen lassen.
Lebet übrigens recht wohl, viele Grüße und Küsse an die lieben Kinder, besonders meinem goldigen Martin ..
von Eurer freuen Schwägerin
Karoline Hopf.
Dieser Brief ist zwar in deutscher Sprache, aber in hebräischer Schrift geschrieben; überhaupt war diese Schrift den Juden der damaligen Zeit viel geläufiger als die deutsche; daher sind alle ihre Briefe in dieser Schrift abgefaßt. ‐ Dem Beispiele seines Schwagers Salomon folgend zog Löb Hopf ums Jahr 1852 in die Stadt; während dieser zuerst nach Fürth gezogen war, übersiedelte Hopf nach Nürnberg. Er war unter den ersten 6 Juden, die nach der großen Vertreibung der Juden aus Nürnberg im Jahre 1499 wieder in dieser Stadt das Bürgerrecht erwarben. Am 29‐ März 1857 wurde Löb Hopf zum Kultusvorsteher der isr. Gemeinde Nürnbergs erwählt; nachdem er dieses Amt niedergelegt hafte, wurde er am 3. Januar 1862 zum Mitglied des verstärkten Ausschusses ernannt. ‐ Als Löb Hopf nach Nürnberg zog, kaufte er ein großes Anwesen gegenüber dem Bahnhof, Bahnhofstraße 3; neben ihm ließen sich später sein Schwiegersohn Heidenheimer (Bahnhofstraße 1) und sein Schwager Salomon Tuchmann (Bahnhofstraße 5) nieder. ‐
Die Talente und Fähigkeiten seiner Eltern hatte im hohen Maße Stefan Hopf, der älteste Sohn, geerbt. Seine Schwiegertochter, Frau Kommerzienrat Elise Hopf, hat eine kurze Lebensbeschreibung von ihm zusammengestellt:
„Stefan Hopf hat ‐ dem Gebot folgend, daß Juden ein Handwerk erlernen sollen — als Kürschner gelerntsemi; als Kürschner ging er auf die Wanderschaft nach Norddeutschland. Er hafte ein großes Streben nach universeller Bildung, las Humbold, Geschichte, die Klassiker, verfolgte mit offenem Blick den Handel. Bei seiner Rückkehr verwendete er die so erworbenen Kenntnisse im heimatlichen Hopfenhandel. Er
