Schließlich sei noch folgender Brief beigefügt gerichtet an die Schwiegertochter Jettes, Mary, die zu Besuch bei ihren Eltern in Bayreuth weilte:
Bamberg, im Jahre 1878.
Meine liebe Mary!
Soeben kam von Berthold Brief und dies verhinderte mich, Dein Werthes so lange nicht be‐antwortet zu haben, da ich schon etwas verlegen war. Er ist mit dem Geschäfte zwar nicht unzufrieden, allein das Geld geht schlecht ein, was vorauszusehen war. Daß Du bei den Deinigen gerne bist und ganz eingewöhnt bist, glaube Dir gerne, wer weilt nicht gerne wo seine Wiege gestannten&ques; ich bin schon eine geraume Zeit von meiner Heimat entfernt und heute interessiert mich alles was in und mit mit meinem elterlichen Hause vorgeht. Daß Du Dich zuweilen an Berthold erinnerst, ist selbstver‐ ständlich, auch hier wird seiner und seiner Gattin mit Liebe gedacht, und ich bin wahrlich nicht die letzte die sich mit Euch angenehm beschäftigt. Mein Söhnchen preißt sich glücklich und da ich ihm immer mütterlich zur Seife stand so kann mich im letzten Viertel meines Lebens nichts herzlicher erfreuen als sein Wohlergehen.
Von meiner ganzen Umgebung kann ich Dir erträgliches sagen. Hugos Leiden wechseld, Glied für Glied muß die Schmerzen feilen und Gott weiß, wann der arme Juge befreit wird.
Simon ist gestern abgereist, der gute, der bravste meiner Kinder mangelt mir in allen Zimmern. Gott geleite ihm! und laß ihm bald gesund zu hause kommen. Hedwig wird, wenn noch Platz bleibt ihren Gruß beifügen. Daß Du eine Hochzeit mitmachst ist schön, hast Du Gartrobe genug dabei&ques; Wenn Du etwas brauchst werden wir es gerne besorgen darfst nur schreiben und wäre dadurch Gelegenheit auch unser und nicht allein Deines Mannes zu gedenken. Daß Du mit Deiner Köchin zufrieden bist ist mir sehr angenehm, da es mein Werk war und ich noch selten in dieser Sache glücklich gewählt habe‐ Deinen werten Eltern und Geschwistern meine herzl. Grüße und sei Du herzlich gegrüßt von Deiner Dich liebenden Mutter
Jette.
Meine herzlichen allseitigen Grüße beifügend habe ich mich sowohl mit Deinem als mit Bertholds Brief sehr gefreuet und wenn er auch über Geideinnahme (was jetzt allgemein geschieht) klagt, so ist dies nicht das ärgste, denn es ist jetzt eine Geldkrisis, die durchgekämpff werden muß, ich bin eine andere Ansicht und habe nur den Wunsch wenn nur die Außenstände gut bleiben. Deinen Auftrag wegen Reinigung Deines Möbels habe ich einmal bereits besorgt und werde solches jede Woche thun lassen, darüber kannst Du unbesorgt sein.
Lebe recht wohl und vergnügt nach dem Wunsche Deines Vaters
H. Reitzenberger.
Deinen lb. Eltern meine besonderen Grüße.
Auch von mir folgen die besten Grüße und freue mich, daß Du wohl und vergnügt bist. Lasse bald wieder von Dir hören. Dadurch erfreuest Du
Deine Schwägerin Lenchen.
Auf Deinen freundlichen Grüßen folgt die herzlichste Erwiederung.
Deine Hedwig.
Emma trug mir beste Grüße, Bitte auch den 1b. Deinigen meine Grüße zu vermiteln.
