Jette geborene Reichenberger aus Floß verehelicht bin und mit derselben sieben, noch am Leben befindliche Kinder gezeugt habe. Mein Leumund und mein Vermögen wird durch die beiden hiemit über‐ gebenen Zeugnisse der Gemeindeverwaltung Ühlfeld und des königl, Landgerichts Neustadt ⁄ Aisch dokumentiert, nach denselben wurde mir hinsichtlich meines moralischen rechtschaffenen Betragens die Nothe „sehr gut‟ ertheilt und mein reines in Grundbesitz, Hypotheken und Schuldscheinen nachgewiesenes Vermögen beträgt 40000 fl. Dieses Vermögen ist gewiß mehr als hinreichend um meinem Gewerbe als Zeugmacher eine größere, selbst fabrikmäßige Ausdehnung im Laufe der Zeit zu geben und dadurch mir und den Meinigen eine anständige Subsistenz zu gründen. Durch meine übersiedlung und meinen Geschäftsbetrieb in hiesiger Stadt kann also diese nur gewinnen, jedenfalls würden selbst ängstliche Gemüther nicht besorgen dürfen, daß meine Aufnahme der hiesigen Stadt und ihrer Bevölkerung in irgend einer Beziehung zum Schaden und Nachtheil gereiche. So stelle ich denn vertrauensvoll die Bitte: mir die Transferierung meiner Konzession als Zeugmacher von Mkt. ühlfeld hierher, sonach auch meinen Angehörigen die Aufnahme in dem hiesigen Gemeindeverband huldvoll zu bewilligen.

Ein halbes Jahr wohnte die Familie in der hinteren Wassergasse, in einer wenig vornehmen Gegend. Doch dann verzog sie in die Schwabacherstraße Nr. 261 a ⁄ I, welches Haus sie später erwarb. Ihnen gefiel es aber in Fürth nicht; es war wohl geschäftlich günstiger gelegen, aber die alten Fürther jüdischen Familien schauten, hochmütig auf die Eingewanderten, denen dies gar nicht behagte, da sie in ühlfeld die erste Familie gewesen waren. So blieben sie nur 10 Jahre in Fürth. Während dieser Zeit genossen die Kinder den guten Schulunterricht der Stadt und die Ellern, die sich selbst heranzubilden suchten, unterstützten sie dabei nach Kräften. So wurden z. B. Englische und Französische Briefe in der Familie gewechselt. Im Jahre 1850 fuhr Salomon Tuchmann nach London, wo er zwar die Weltaus‐stellung nicht besuchte, was wieder den Spott seines Bruders Moritz herausforderte, wo er sich aber wahrscheinlich doch recht gut umschaute. Die beiden Brüder waren überhaupt Gegensätze, der Erfolg im Leben aber jedenfalls auf Seiten des zielbewußten Aelteren. ‐‐ Unterdessen war Josef Tuchmann heran‐gewachsen, hatte nach Bamberg in Fürth und Elberfeld gelernt und machte nun für Rechnung seines Vaters große Reisen nach Norddeutschland, Frankreich und Skandinavien. Dies alles mit 20 Jahren und bei den damaligen Verkehrsverhältnissen! Aber er war über die Maßen fleißig und liebte seine Eltern sehr. Im Jahre 1850 vermählte er sich mit Fanny Dessauer, der Tochter der Herrn Emanuel Dessauer in Bamberg. Die anderen Söhne Ernst, Fritz, Martin, Heinrich und Emil machten alle mehr oder weniger einen ähnlichen Lehrgang durch wie Josef, nur lernten sie statt in Bamberg in Fürth an der Handelsschule. Wie er trafen auch sie später alle, bis auf Emil, der in Paris lebte, ins väterliche Geschäft ein, das unter der Firma S. Tuchmann & Söhne heute noch besteht. Nur Maro schlug nicht die Kaufmannslaufbahn ein; er studierte Medizin. Im Jahre 1864 machte er seine Doktorprüfung in Würzburg, in der er über neun Streitsäße zu sprechen hatte. Er war später ein angesehener Arzt in London und Erfinder einer nach ihm benannten Sonde, die aber nun längst veraltet ist. ‐ Das jüngste Kind, die eigentlich einzige Tochter Salomons, Betty, wurde von ihren Eltern und Brüdern als Nest­häkchen sehr verwöhnt. Sie heiratete später den Großkaufmann Friedrich Hirschhorn, einen äußerst gebildeten Mann. Sie war zwar nicht schön zu nennen, doch war sie geistreich und liebenswürdig. ‐ Von der nächsten Generation, die in ihren meisten Vertretern noch am Leben ist, zu schreiben, steht mir nicht zu. Ich wollte nur den Werdegang einer Familie darlegen, die aus bescheidenen Anfängen sich durch Fleiß und Rechtlichkeit emporgearbeitet und es zu ehrenvollem Ansehen gebracht hat.