MARX TUCHMANN
Marx Tuchmann ist der Vater meines Urgroßvaters.
Am 28. September 1791 erließ die Nationalversammlung in Paris ein Dekret: „Die Juden in Frankreich genießen die gleichen Rechte wie andere Bürger.‟ Dies ist der erste große Meilenstein in der modernen jüdischen Geschichte.
Eine ganz andere Politik verfolgte die Regierung von Bayern. Mit dem „Judenedikt‟ vom 10. Juni 1813 wurden der jüdischen Bevölkerung strenge Beschränkungen auferlegt.
Nur ein Sohn durfte heiraten und einen Haushalt gründen. Außerdem musste jeder Junge drei oder vier Jahre lang bei einem Handwerker in die Lehre gehen; nach der Lehre musste er vier Jahre lang als Geselle arbeiten. Wenn er schließlich als Meister ein Handwerk ausüben durfte, machten es ihm die Zünfte so schwer, dass er das erlernte Handwerk meist unter großen Schwierigkeiten aufgab.
Nur ein Sohn durfte heiraten und einen Haushalt gründen. Außerdem musste jeder Junge drei oder vier Jahre lang bei einem Handwerker in die Lehre gehen; nach der Lehre musste er vier Jahre lang als Geselle arbeiten. Wenn er schließlich als Meister ein Handwerk ausüben durfte, machten es ihm die Zünfte so schwer, dass er das erlernte Handwerk meist unter großen Schwierigkeiten aufgab.
Infolgedessen wanderten viele junge Männer in die Vereinigten Staaten aus. Deshalb ist die Zahl der jüdischen Familien aus Bayern im Verhältnis zu allen jüdischen Familien, die aus Deutschland in die Vereinigten Staaten ausgewandert sind, relativ groß.
Die größte Härte für die Juden war das Verbot, in einer Stadt zu leben. Juden durften sich tagsüber nur in Begleitung einer Eskorte in der Stadt aufhalten, später gegen Zahlung einer Gebühr.
Dennoch war das Leben in Markt Uehlfeld für die Juden nicht allzu schwer. Das Wort „Markt‟ deutet darauf hin, dass an zwei oder drei Tagen Bauern aus dem Umland ihre Waren brachten und verkauften, um das Nötigste zu kaufen. Außerdem war der Markt ein Zentrum für den Hopfenhandel. Juden kauften und verkauften auch Vieh und genossen das Vertrauen der Bauern, wenn es um finanzielle Angelegenheiten ging, wie z. B. die Aufnahme einer Hypothek usw.
Bei all diesen Aktivitäten war es nicht allzu schwer, den Lebensunterhalt zu bestreiten, zu einer guten Schule und dem Bau einer schönen Synagoge beizutragen.
Marx Tuchmann wurde in Baiersdorf, einer anderen kleinen Stadt in Bayern, geboren. Er wurde als Säugling nach Markt Uehlfeld gebracht und von seiner Mutter aufgezogen, die vermutlich verwitwet war und wieder heiratete. Er handelte zunächst mit kleinen Bedarfsartikeln, widmete sich aber bald dem Hopfengeschäft, d.h. er züchtete Hopfen und handelte mit Hopfen, den er von anderen Produzenten kaufte.
Marx Tuchmann war sehr geschickt und fleißig und konnte sich bald ein großes Haus bauen. Auch die Tatsache, dass er zum Barnoss1 (Vorsteher) der jüdischen Gemeinde ernannt wurde, deutet darauf hin, dass es ihm gut ging und er das Vertrauen seiner Mitbürger genoss. Es war auch ein großer Vorteil für ihn, dass ihm seine drei Söhne halfen.
Auch seine Frau unterstützte ihn, indem sie ein kleines Geschäft führte. Sie war es schließlich, die ihre drei Söhne und fünf Schwiegersöhne überredete, in das Hopfengeschäft einzusteigen.
Aus dem Handel von Marx Tuchmann gingen drei Hopfenfirmen hervor:
• S. Tuchmann & Söhne, gegründet von Salomon.
• Gebrueder Tuchmann, gegründet von den Söhnen von Feist.
• Philipp Tuchmann, gegründet von einem weiteren Sohn von Feist (Philipp) Tuchmann.
Alle drei Firmen florierten und zwei von ihnen existieren noch heute, wenn auch nicht mehr in den Händen der Familie.
