Den traurigen Ausgang des Krieges erlebte mein Vater nicht mehr. ‐ Noch heule trauern um ihn und um seine Gattin, meine Mutter, Ida Bing‐Ottenstein, Kinder und Enkelkinder.

Nürnberg, 10. Januar 1928.Bertha Hirschmann.

Brief von Babette Tuchmann an Salomon Bing.

Ühlfeld, den 8. März 1837.

Mein lieber Salomon !

Werde ich wohl noch ein Plätzchen in Deinem Herzen haben, wenn ich so viele Teilhaberinnen habe? Die guten Schwestern, ja ihnen gönne ich es von Herzen, daß sie noch einen Bruder haben, und den sie so lieb gewonnen, daß cs mir sehr viel Vergnügen macht; und wenn ich denke, meine Wahl fiel auf keinen Unwürdigen, es lieben sogar alle meine Angehörigen meinen guten Salomon, so beneide idi den Glücklichsten nicht. ‐ Diesmal überraschtest Du mich recht angenehm mit Deinem Werten, indem idi mir durch Madame Ohlmann keinen Brief vermutete; so aber hatte ich drei Tage eher den süßen Genuß. Du kannst mich für jetzt gar nicht mehr beglücken, als wenn Du mir recht bald antwortest und recht viel schreibst; aber noch mehr Seligkeit wäre es für mich, wenn Du Deine Reise nach Nürnberg über Ühlfeld nehmen tälest, geht es denn nicht so gut bei Dir? ‐ Daß ich nach Nürnberg soll, ist doch zu umständlich; Du verweilst ja nur einen Tag dort, wirst so genug zu tun haben, da haben wir Beide kein Vergnügen dort, ‐ Du mußt ja nicht gerade Purim hier sein, wenn es sich bei Dir nicht machen läßt; es ist ja für uns Beide ein Fest, wenn wir beisammen sind, wahrlich, es wäre grausam von Dir, wenn Du diese schöne Gelegenheit nicht benütztest: mich dünkt es schon ein Jahr zu sein, daß ich Dich, mein Guter, gesehen. Du lachst vielleicht, daß ich so leichtsinnig bin und Dir bei Deinen vielen Geschäften so Vorschläge mache, meinetwegen, ich sage Dir halt meine Herzens‐Meinung, und daraus kannst Du, Loser, wieder schließen, daß meine Liebe noch nicht erkaltet ist, indem Du mich in Schwester Jetten's Brief aufforderst, ich soll Dir antworten, daß ich Dich lieber habe wie sie; o Ihr schlimmen Männer, es ist so wahr, Euch kann man nicht Liebesversicherungen genug sagen, und wir fügen uns in allem so geduldig.

Was hat Dir denn Philipp geschrieben, er war sehr verlegen wegen Brief von Scheinfeld, hat jetzt aber schon welchen, aber so kalt geschrieben, daß ich mich wundern mußte, es wird doch keine Bedeutung haben? Ich bin sehr beunruhigt darüber. ‐ Philipp schrieb Dir auch wegen unserer Hochzeit vor Ostern, das war wieder einer von seinen zu schnell überlegten Plänen.

Werde ich meinen Plan, Dir bis Höchstadt entgegenzugehen, aufgeben dürfen? Es wäre doch schön, wenn ich Dich, mein Lieber, wieder einmal sähe, ich lebe jetzt in der angenehmen Hoffnung, es bleibt für jetzt nichts zu wünschen übrig, als recht bald Antwort, und daß Dich dieses Schreiben so wohl antreffen möge, als cs verläßt

Deine Dich liebende
Babette.  

Brief des Salomon Bing an seine Braut Babette Tuchmann,

Memmelsdorf, den 6. Februar 1837.

Innigsgeliebte!

Acht Tage habe ich fürwahr recht qualvoll erlebt. Meine Unpäßlichkeit ganz abgerechnet versichere ich Dir. daß ich dennoch selbst nicht wußte, wie mir war. ‐ Ich habe den ganzen Weg von Ühlfeld bis Bamberg geträumt. ‐ In Bamberg schon litt ich an heftigen Hals‐ und Kopfschmerzen, hielt mich dennoch aufrecht bis hierher. Vier Tage nun waren die Schmerzen wahrhaft bedeutend. Bruder Salomon habe ich noch auf eine Viertelstunde das Geleite gegeben und mich frischer gestellt als ich wirklich war, Aber bei meiner Zuhausekunft, wo ich keinen meiner Lieben mehr um mich hatte, wo ich mir wieder ganz überlassen war, da erst fühlte ich, ‐ und was da mein Herz leiden mußte, vermag ich Dir nicht zu schreiben. ‐ Mittag wurde ich durch einen Brief von den Burgkundstädtern etwas heiter gemacht, und ich mache mich an den Schreibtisch, um Dich, meine Teuerste, doch nicht in Verlegenheit zu lassen, war aber so unklug, etwas von meinem Unwohlsein zu erwähnen: da ich Dein gutes Herz kenne, hätte ich nichts davon schreiben sollen. ‐ Durch Nichtschreiben wollte ich Dich nicht in Verlegenheit setzen, und durch mein Schreiben tat ich cs erst recht, was ich sehr bedauere. Hätte ich nicht aus Deinen Briefen ersehen, daß Du bis zu meiner weiterer Nachricht betrübte Tage hättest, so würde Dein Brief mir jetzt schon die vergnügteste bereiten; denn Deine Gefühle gibst Du mir so herzlich zu erkennen, wie auch Deine Zuflucht, die Du mit Beten zum Allmächtigen nimmst, weiß ich zu schätzen und Deine Liebe erhöht mein Glück. ‐

Ein Satz nur, liebe Babette, wurde von mir beanstandet, daß Du mir anempfiehlst, ich soll Deine Besorgniß für keine Schmeichelei halten. Schmeichelei, und anders zu sprechen, als die Gedanken sind, habe ich meiner treuen Babette noch nie zugetraut. Lieber verweilte ich mich bei dem vorher gehenden Satze, wo Du schreibst, wir werden uns bald wiedersehen.